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Des Auto-Anthropophagen Jukebox

Und schöne Grüße an Franz Josef Jung,

den braven Juristen aus dem Hessenland und an die ganze Mischpoche in Berlin: Dimitri Shostakovichs Symphonie # 11 op. 105 „Das Jahr 1905“, zweiter Satz, zweiter Teil „Der neunte Januar“ (die Erschießung der wehrlosen Menge). In vielfacher Hinsicht die Musik zu diesen Tagen und zu dieser Zeit. Wenn die Celesta da nicht schon ab 4´07´´ trauert und unheilsvoll vorgreift, vorgreift auf die Ruhe vor dem Sturm die die Götterdämmerung einläutet! (4. Satz, zweiter Teil! s. Teil 2)

Ich empfehle einem Interessenten an klassischer Musik unbedingt die Beschäftigung mit dem Werk von Dimitri Shostakovich (*1906 +1975). Dann sollte man aber auch unbedingt eine Biographie von ihm lesen (Wikipedia reicht da bei weitem nicht – meine Empfehlung: „Die Memoiren des Dimitri Shostakovich“ ISBN-13: 978-35486003353).

Nun einiges zu Shostakovich an dieser Stelle:

Zuerst die ganz böse Geschichte, seine (hervorragende) Oper Lady MacBeth von Mzensk nach der (lesenswerten) gleichnamigen Erzählung von Nikolai Leskow. Was war passiert? Shostakovich’s Lady wurde mit großem Erfolg am 22. Januar 1934 in Leningrad (St. Petersburg) uraufgeführt, danach auch in Moskau und an diesen beiden Spielorten insgesamt mehr als 200mal mit größtem Erfolg gegeben. Bis am 16. Januar 1936 – nach 2 Jahren Erfolg – Stalin erstmalig einer Aufführung in Moskau beiwohnt. Die Kastastrophe! Das Sujet behagt Stalin gar nicht (Sex & Crime; Ehebruch (Koitus auf der Bühne, Igitt), Mord, Kindsmord – in dieser Reihenfolge) und die Musik dröhnt in seine gepanzerte Loge! 12 Tage später, 28. Januar 1936, Shostakovich ist zusammen mit einem Cellisten auf Konzertreise in Archangelsk (er war ein hervorragender Pianist und Klavierbegleiter). Morgens treten die beiden die Heimreise nach Moskau an, kaufen sich auf dem Bahnhof von Archangelsk eine Ausgabe der „Prawda“ vom Tag … und von Stund an schläft Shostakovich nur noch in seinen Kleidern mit einem Koffer persönlicher Habe unterm Bett! In der „Prawda“ steht geschrieben: „Chaos statt Musik“! Ein nicht unterzeichneter Artikel! D. h. von der Partei genehmigt! Von Stalin persönlich!! Ein Todesurteil!

Nun, wie wir wissen: Er hat überlebt und musste Abbitte leisten. Die Oper hat Shostakovich später überarbeitet und unter dem Namen Katerina Ismailowa  herausgegeben nach 1963. Beide Werke werden heute auch zur Aufführung gebracht. Btw. Die Erzählung „Lady Mac Beth von Mzensk“ von Nikolai Leskow ist wirklich lesenswert, ebenso die Erzählung „Der Gaukler Pampalon“ vom gleichen Autor.

Zum Werk Shostakovich’s – meine Auswahl: Zwei wunderschöne Jazz-Suiten, Kammermusiken wie z. B. die Sonate für Cello und Klavier op. 40, das Klavierquintett op. 57, das Klaviertrio op. 67, das Streichquartett Nr. 8 op. 110 und die Transkription desselben für Streichorchester op. 110a – sein 8. Streichquartett schrieb Shostakovich 1960 in Dresden innerhalb weniger Tage, sozusagen an einem Stück! Er schrieb dieses unter dem Eindruck der damals noch sehr deutlichen Zerstörungen der Stadt und es ist gewidmet: „Den Opfern von Krieg und Faschismus“.

Alles wird natürlich überragt vom symphonischen Werk „des größten Symphonikers des 20. Jahrhunderts“! Und in dieser Rheinfolge empfehle ich dem Interessenten die Annäherung an Shostakovich’s Symphonien: #5 (eine seiner Abbitten an die Partei und Stalin nach der Lady), #7 (die „Leningrader“ – häufig missverstanden) und die #11 (der dritte Satz, mit dem ich mich hier nicht beschäftige, ist einer der erschütternsten Trauermusiken überhaupt, vergleichbar mit dem 8. Streichquartett und dem 3. Satz seiner 4ten Symphonie). Ist dieser erste Schritt getan sollte man sich mit den anderen Symphonien einlassen etwa in der Reihenfolge: 8, 10, 13, 15 usw.

Ich würde mich sehr freuen, wenn sich hier ein „Shostianer“ meldet und wir könnten ein bisschen Literatur (auch zu N. Leskow) und CDs tauschen.

Beste Grüße
Vogel

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