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Die Große Akademie 1808 – Beethoven 2/10

Die „kleine Neunte“ eines der schwächeren Werke Beethovens? Ich meine, will man Beethoven schätzen lernen, gehört die Kenntnis der „kleinen Neunten“ unbedingt dazu. Anlässlich eines Monsterkonzertes – so würde man heute sagen, „Große Akademie“ nannte sich das damals (s. u.) – wurde sie am 22.12.1808 im Theater an der Wien uraufgeführt. Die ausgewählte Aufnahme hat leider keine „Studioqualität“ und einige wenige Störgeräusche, allein der fast schon „kammermusikalische“ Charakter der Aufführung ist meines Erachtens sehr schön und sicher hörenswert. Hier also von Ludwig van Beethoven Phantasie für Klavier, Chor und Orchester op.80.

Die sogenannte „kleine Neunte“ stammt aus der Mitte der zweiten Schaffensperiode Beethovens (1800 – 1814). 1808 war sicher ein wichtiges Jahr in seinem Leben. Seit um 1800 hatte sich Beethoven als freischaffender und unabhängiger „Tonsetzer“ etabliert.

[…] Frühjahr 1808 […] Inzwischen war bei ihm ein Zustand völliger Ungebundenheit, die so von ihm ersehnte „Freiheit“ eingetreten, die ihn nun zu keinem Entschluss bringen ließ.“ [aus „Beethoven“ von Fritz Zobeley, S. 82]

Die Komposition der 5. und die 6. Symphonie wurden im Frühjahr abgeschlossen und wurden anlässlich der „Großen Akademie“ am 22.12.1808 im Theater an der Wien mit großem Erfolg uraufgeführt. Beethoven reichte das Programm nicht aus – neben der Uraufführung der 5. und 6. Symphonie noch das 4. Klavierkonzert und weitere Stücke aus seinem Schaffen – und so komponierte er in den drei Dezemberwochen noch sein op. 80 hinzu. Eines der ungewöhnlichsten und erstaunlichsten Werke der Musikgeschichte – „gleichzeitig Phantasie für Klavier, Solokonzert für Klavier und Kantate“ – als Schlusspunkt des Abends – den Text gibt es hier:  Den Orchester- und Chorpart hatte er natürlich endgültig ausgearbeitet, den (langen) einleitenden Klavierpart nur als Skizze vorbereitet. Dieser wurde von Beethoven – Klaviervirtuose der er auch war – am Abend des Konzerts live erfunden – quasi hinzu phantasiert! Unter den Symphonikern war Beethoven halt auch ein Klavier-Titan wie sonst vielleicht nur noch Brahms und Shostakovich.

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